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SmartSuite unter Linux nutzen

Wer sich zu den Freunden der OpenSource zählt und am liebsten unter Linux arbeitet (ich zähle mich definitiv dazu) aber dennoch die SmartSuite nutzen möchte steht vor einem Problem. Es gibt derzeit keine native SmartSuite für die Linux-Plattform. Seit Lotus in IBM aufgegangen ist steigt meine Hoffnung natürlich mit jedem Gerücht, das in die Richtung SmartSuite für Linux zeigt.Wer dennoch nicht warten möchte, kann die SmartSuite unter Linux in einer Virtuellen Maschine [1] nutzen.

Derzeit gibt es zwei kommerzielle Virtuelle Maschinen (VM) und zwei OpenSource-VM-Projekte. Eine weitere Variante ist der Windows-Emulator "Wine" und dessen kommerzielles Derivat "CrossoverOffice".

Virtuelle Maschinen (VM)

Die Funktionsweise ist folgende. In einer Virtuellen Maschine wird ein Gast-Betriebssystem installiert, als wenn es auf einem separaten Rechner laufen würde. Dies erfordert einen Leitsungsfähigen Rechner, damit ein flüssiges Arbeiten möglich ist. Ich benutze z.B. Windows 98 in Verbindung mit Win4Lin (s.u.) auf einem Athlon 1800+ mit 512MB RAM. Mit dieser Konstellation ist die Windows-Geschwindigkeit etwa gleichzusetzen mit einer "normalen" Installation auf einem 600er Pentium (Schätzung).
Der Nachteil der VM ist aber, daß Sie entweder Geld kosten oder noch nicht richtig funktionieren und eine lizenzierte Windows-Verison vorhanden sein muß.

Empfehlenswert sind Win4Lin und VMWare , wobei Win4Lin die preiswertere aber eingeschränktere Variante ist. (Infos auf den Herstellerseiten s.u.). Die OpenSource-VM (Bochs und Plex86) funktionieren noch nicht zuverlässig genug.

Emulatoren

Emulatoren benötigen keine Windows-Installation (und somit auch keine zusätzliche Windows-Lizenz wie die VM (s.o.). Die beiden unten genannten Emulatoren (Wine und CrossoverOffice) sind aber darauf optimiert MS-Office laufen zu lassen. Das funktioniert auch sehr gut. Die SmartSuite lässt sich mit ein bisschen Fummelarbeit installieren, da bei den neueren Versionen der MSI-Installer zur Installation benutzt wird

Allerdings ist ein produktives Arbeiten mit der SmartSuite unter Wine noch nicht wirklich zu empfehlen (zu unstabil).

SmartSuite mit Wine betreiben (ein erster Test)

Ich habe für meine Experimente Wine in der Version 20040309 (vom 09.03.2004) aus den Quellen frisch kompiliert und installiert.

Das Wine-Setup ist derzeit etwas unkomfortabel, da das Setup-Tool "winesetup" nicht mehr vorhanden ist. Stattdessen kommt "winecfg" zum Einsatz welches allerdings noch nicht fertig ist. Deshalb muß die Konfigurationsdatei "zu Fuß" erstellt werden.

Auf die Installation von Wine gehe ich hier nicht ein. Die Dokumentation zu Wine existiert und sollte zwingend(!) gelesen werden.

Lotus SmartSuite 9.8

Die SmartSuite ist etwas schwieriger zu installieren, da diese ja nicht mehr mit einer "setup.exe" daher kommt, sondern mit dem MSI-Installer installiert wird. Dieser muß also zuerst installiert werden. Auf der SmartSuite-CD ist dieser bereits enthalten und wird mit dem Aufruf:

wine d:\\instmsia.exe

installiert. Anschließend sollte "wine msiexec" möglich sein.

Die Installation der SmartSuite erfolgt dann per:

wine msiexec /i "d:\\Lotus SmartSuite - Deutsch.msi"

(wichtig ist, daß der Pfad in Anführungsstriche gesetzt wird, da Linux Leerzeichen im Dateinamen nicht so toll findet wie die Jungs aus Redmond). Ich musste diesen Aufruf seltsamer Weise mehrmals starten. Beim dritten (identischen) Aufruf funktionierte es dann. Die SmartSuite wird eigentlich ohne Fehlermeldungen installiert (außer natürlich daß, die Icons nicht auf dem Desktop abgelegt werden konnten).

Noch ein kleiner Tipp: In der Datei "~/.wine/conf" sollte eingestellt werden, daß die Programme (zumindest für die Installation) in einem Desktop-Fenster laufen (nicht: "managed" oder "unmanaged"), da sonst die ein oder andere Dialogbox nicht erscheint und die Installation hängt, da niemand auf "OK" klickt (bzw. klicken kann).

Lotus 1-2-3
1-2-3 startet, und es lassen sich auch einfache Tabellen erstellen, öffnen und speichern. Allerdings stürzt es bei mir immer ab, wenn ich z.B. ein Diagramm einfügen will - der Fehler liegt in Wine. Die Tool-Leiste am unteren Bildschirmrand ist extrem klein geraten.

Screenshot: http://www.martinholz.de/samples/wine/123.png [67kb]

Lotus WordPro
Die Grundfunktionen von WordPro funktionieren gut. Allerdings sollte man es derzeit noch vermeiden allzusehr mit den Features von WordPro herumzuspielen. Als ich z.B. exzessiv einen Rahmen bearbeitet habe ist WordPro abgestürzt.

Zum Briefe schreiben und "mal eben" ein Dokument öffnen reicht es aus.

Screenshot: http://www.martinholz.de/samples/wine/wordpro.png [37kb]

Lotus Approach
Gleich vorweg ... Approach ist unter Linux nicht produktiv nutzbar. Im Entwurfsmodus stürzt Approach eigentlich immer ab, wenn ein grafisches Element (z.B.: Schaltfläche) hinzugefügt wird. Ansonsten lassen sich auch hier einfache Datenbanken anlegen, öffnen und speichern. Aber "wilde" Anwendungen damit zu basteln ist nicht empfehlenswert.

Screenshot: http://www.martinholz.de/samples/wine/approach.png [36kb]

Lotus Organizer
Der Organizer 5 startet gar nicht. Vermutlich eine Einstellungssache, aber da er mir definitiv nicht wichtig ist (Notes läuft ja) werde ich das nicht weiterverfolgen.

Lotus Fastsite
Fastsite startet zwar, ist aber aufgrund des fehlenden InternetExplorers nicht nutzbar. (Anm.: mein Versuch den IE zu installieren ist bisher fehlgeschlagen). Fastsite ist aber auch nicht wichtig ;-)

Lotus Freelance
Freelance ist unter Linux rudimentär brauchbar. Für wirklich professionelle Präsentationen ist es aufgrund der Grafikfehler aber nicht nutzbar. So sind die Felder beim Erstellen der Präsentationen verschobe, und die Texte lassen sich nur "blind" eintippen. Blättert man aber zwischen den erstellten Seiten hin und her, sind die einzelnen Folien wieder wie gewohnt sichtbar.

Schön ist allerdings, daß sich fertige Präsentationen im Vollbild ansehen lassen.

Screenshot: http://www.martinholz.de/samples/wine/flg.png [42kb]

Lotus Notes R5

Notes R5 installiert sich unter Wine sehr unspektakulär. Es ist tatsächlich mit dem Aufruf:

wine d:\\pfad\\zur\\setup.exe

getan. Wobei "d:" in der Wine-Konfiguration das CD-Laufwerk definiert. Nach der üblichen Notes-Setup-Prozedur ist das Programm absolut stabil mit allen Funktionen nutzbar.

Screenshot: http://www.martinholz.de/samples/wine/notes.png [267kb]

Fazit

Mein erster Test ist völlig unrepräsentativ, da ich nicht annähernd die Features der einzelnen Programme ausprobiert habe. Es wird wahrscheinlich noch etwas Zeit ins Land gehen, bis die SmartSuite annährend komfortabel unter Linux läuft wie unter Windows.

Notes läuft stabil und die Kombination mit Wine ist durchaus empfehlenswert.

Von der SmartSuite selbst läuft eigentlich nur WordPro halbwegs zufriedenstellend. Generell ist mit allem was mit Grafik zu tun hat mit einem Absturz zu rechnen. Dies liegt in erster Linie an Wine bzw. unzureichenden Einstellungen. Ich werde das Thema weiter verfolgen.

Crossover Office

CrossoverOffice hat als Basis ebenfalls Wine, wurde aber für eine einfachere Installation und zuverlässigere Arbeitsweise optimiert. Seltsamerweise läuft die SmartSuite mit CrossoverOffice nicht so glatt wie mit Wine und stürzt viel eher ab. CrossoverOffice ist im Gegensatz zu Wine nicht kostenlos. Weitere Infos auf der Herstellerseite (s.u.).
Sollten noch Fragen zu diesem Thema aufgetaucht sein, schreiben Sie mir eine Mail.

Bezugsquellen


Fußnoten: [1] Virtuelle Maschine = Durch eine Zusatzsoftware wird ein kompletter PC per Software emuliert. In dieser Emulation kann nun ein beliebiges Betriebssystem installiert werden.
Über diesen ArtikelArtikelbewertung
Stand: 10.06.2004
Autor(en): Martin Holz
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